Freiwillige Feuerwehr Jeinsen

Retten-Löschen-Bergen-Schützen

Historie

Übernommen und ergänzt aus der Festschrift von 1984 Ernst Heinrich Kreimeyer und Werner Duve:


Mit dieser Chronik geben wir Ihnen einen Blick in die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr Jeinsen seit ihrer Gründung im Jahre 1934. Im Vordergrund dieses Berichtes steht das stete Wachsen unserer Wehr, in technischer wie in personeller Hinsicht. Mit unserem Bericht wollen wir Sie auch über den heutigen Stand der Wehr informieren. Insbesondere über die organisatorischen und technischen Aspekte, die zusammen mit unseren Kameradinnen und Kameraden Ihrem Schutz vor Schaden dienen sollte. Die Freiwillige Feuerwehr Jeinsen ist stolz darauf, dass im Jahre 2014 weite Kreise der Einwohnerschaft hinter ihren Kameradinnen und Kameraden stehen, indem sie durch ihren freiwilligen Beitrag die Arbeit der Feuerwehrfrauen und Männern unterstützen. Wir wissen Ihre Unterstützung um so mehr zu schätzen in dieser, für uns alle, wirtschaftlich sicher recht schwierigen Zeit.  Darüber hinaus wollen wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen, neue Freunde und Mitglieder zu gewinnen. Die Freiwillige Feuerwehr Jeinsen besteht im Jahr 2014 seit 80 Jahren. Das bedeutet aber nicht, dass es Brandschutz in Jeinsen nicht schon viel früher gegeben hätte. Der älteste Zeuge für das bestehen des Feuerschutzes ist das alte “Sprützenhaus”. Erbaut 1831 stand es bis in die 80 er Jahre an der Calenberger Strasse und diente der Feuerwehr bis 1955 als Gerätehaus. Die ältesten schriftlichen Belege finden sich in einem Gemeindeprotokoll aus dem Jahre 1849. Demnach betrug das Jahresgehalt der “Sprützenleute” 4 Thaler. Die Reihe der Eintragungen lässt sich beliebig weiterverfolgen. Fast in jedem Jahr wird Geld bereitgestellt,  zum Ankauf von Schlauchmaterial, Schmalz, Talg und Baumoel zum schmieren der “Sprütze”, sowie zum geschmeidig machen der Schläuche. 1854 werden Feuerwehrleitern angeschafft, während im Jahre 1858 Friedrich Meyer “für Anweisung der neu angetretenden Sprützenleuten” 6 gute Groschen ausgezahlt bekommt. 1859 wählte man 3 “Feuergeschworene”, die 3 mal jährlich eine Feuerschau zu gehen hatten. Im Oktober des gleichen Jahres brennt es auf dem Grundstück Rössing. Die “Sprützenleute” hatten ihren ersten Einsatz. Bei diesem Brand wurde ein Schlauch beschädigt. Die Reparaturkosten: 5 Groschen. Doch auch bereits damals wurde die Geselligkeit gepflegt. 1859 erhält der Krüger Baxmann für verabreichtes Essen und Getränke 3 Thaler, 22 Groschen und 5 Pfennige. Ein Jahr später zahlte man dem Krüger Krull für Bier, Brandwein und Butterbröte 9 Thaler, 16 Groschen und 8 Pfennige. Am 27.9.1863 wird vom Vorsteher ein Termin “zur Beratung und Bestellung der Bedienmannschaft der Feuerspritze nach Vorschrift der neuen Feuerlöschordnung” angesetzt. Es wird beschlossen:

1. Die zum Pumpen der Feuerspritze festgestellte Bedienungsmannschaft soll von Haus 1-32 auf die        nächsten 3 Jahre festgestellt sein derart, dass jeder unter dieser Nummer befindliche Hauswirt einen Mann zum Pumpen vorschriftsmäßig zu stellen hat.   
2. Der Köthner Christian Schlüter ist zu Spritzenmeister, der Köthner Bernhard Schröder zum Bindemeister und  der Schmied Georg Kasten zum Rohrführer ernannt. Ferner wurde beschlossen nicht zur Brandbekämpfung auszurücken, wenn die Brandstelle weiter als 1/2 Wegstunde entfernt war.
Löschwasser wurde aus einem Teich “Hinter Brands Garten” entnommen. Die Sauberhaltung des Teiches wurde gegen Entgelt öffentlich vergeben. 1865 musste die Spritze repariert werden. Waren die Schläuche bis dahin aus Leder, wie man aus dem reichlichen Tran- und Schmalzverbrauch “zum Einfetten der Schläuche” schließen kann, änderte sich dieses 1859 durch den Ankauf von “150 Fuß Hauffener-Sprützenschleuche”. Die Firma Wellhausen Hannover erhielt dafür 25 Thaler. Die Gemeinde bekam im selben Jahr zu Feuerlöschzwecken vom königlichen Amt Calenberg eine Beihilfe von 80 Thalern. Das Gehalt der “Sprützenleute” erhöhte sich 1873 von  2 auf 5 Thaler je Mann. Als Vorläufer der heutigen Brandmeister wurden 1892  6 Personen zur Beaufsichtigung der Löscharbeiten im Brandfalle gewählt. Gleichzeitig mussten gemäß Gemeindebeschluss sämtliche ledernen Löscheimer im “Sprützenhaus” aufbewahrt  werden. Kurze Zeit später - noch1892 - dachte man daran, die defekte Spritze der Herstellerfirma Laue aus Bennigsen begutachten zu lassen. Aber erst 1898 kam man dahinter, “dass das hiesige Löschwesen äußerst Mangelhaft sei und es in bisheriger Weise nicht  mehr weitergehen könne”.  Eine neue Spritze sollte beschafft werden. Grund dieser Erkenntnis war die unzulängliche Ausrüstung der Wehr beim Brand der Hallerschen Scheune, die im April 1898 abbrannte. 4 Wochen später lieferte die Firma Tidow aus Badenstedt eine neue Spritze, Preis 1425 Mark. Zu einem Streit in der Gemeinde kam es ebenfalls im Jahr 1898. Gemäß Protokoll stand ein Drittel der von der Versicherung gezahlten Summe für die Hallerschen Scheune den Spritzenleuten zu. Sie behielten jedoch die volle Prämie für sich. Über die  Beweggründe die dazu geführt haben, wissen wir nichts. Ein Rechtsstreit darüber ging jedenfalls zugunsten der Spritzenleute aus. Ferner wurde jedem Manne der Kauf einer neuen Joppe und eines “Hutes” zugesagt. Folgebedarf der neuen Spritze war ein Schlauchturm, der auf das Spritzenhaus aufgesetzt wurde. Dort blieb er auch bis 1955. Dann wurde er abgebaut. An unserem heutigen Gerätehaus neu errichtet, dient er uns noch heute zum Trocknen der Leinen und Schläuche.

Im September 1899 wurde beschlossen, eine Freiwillige Feuerwehr “zu errichten” falls sich 60! Teilnehmer dazu melden würden. Da jedoch die verschiedenen Feuerversicherungen nicht die erwünschten und auch  erforderlichen Beihilfen bezahlen wollten, wurde die Gründung zurückgestellt. Ein erneuter Brand, bei dem das Armenhaus bis auf die Grundmauern niederbrannte, sorgte dafür, dass auf höheren Befehl eine Gemeinde - Feuerwehr gegründet wurde. Als erster Brandmeister wurde Bauer Grupe benannt. Zwecks Aufnahme der alten Spritze wurde das Spritzenhaus vergrößert. Diese Gemeinde - Feuerwehr bestand bis 1933. Wieder war es ein Brand, die Scheune bei Bauer Emil Müller, der zur Gründung der heutigen Freiwilligen Feuerwehr Jeinsen führte. Unter der Leitung von Ortsvorsteher Wilhelm Alten und Vertretern des Kreis - Feuerwehrverbandes wurde am 5. März 1934 das Gründungsprotokoll aufgesetzt und unterzeichnet. 38 Kameraden schlossen sich sofort der Wehr an. Das Kommando bestand aus den Kameraden Karl Schuldt, Hans Goedecke, Heinrich Hanekopf, Willi Kolshorn, Heinrich Barges, Arnold Schröder sowie Herbert Müller. Unter dieser Leitung, die sich in den nächsten Jahren nur unwesentlich veränderte, entwickelte sich die Wehr bald zu einer leistungsstarken Gemeinschaft. Vorhandende Ausrüstungsgegenstände der ehemaligen Gemeinde - Feuerwehr konnten zum Teil übernommen werden. Der technischen Entwicklung entsprechend wurde, trotz auch damaliger knapper Mittel, die Ausrüstung ständig ergänzt und vervollständigt, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Lehrgänge wurden besucht, Übungen abgehalten, die Kameraden entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit in verschieden Löschgruppen eingeteilt. Doch es wurde auch gefeiert bei der Feuerwehr. Selten fehlt in alten Protokollen der Hinweis auf einen Kameradschaftsabend, ein Tanzvergnügen oder den Besuch eines  Feuerwehrfestes. Über Brände gab es nichts zu berichten. Die folgenden Jahre verliefen so, was man gemeinhin als grauen Alltag nennt, mit all seinen Höhen und Tiefen. Die Aufzeichnungen endeten vorerst am 10. März 1938. Aufzeichnungen über die Zeit von 1938 bis 1945 liegen uns nicht vor. Der zweite Weltkrieg hinterließ auch in unserer Wehr Lücken. Die erste Eintragung im Protokollbuch nach Kriegsende datiert vom 22. September 1945. Unter der Leitung von Kamerad Hermann Deike hatten sich bereits wieder 21 Kameraden zusammengefunden, um die Jeinser Feuerwehr neu erstehen zu lassen. Der erste Dienst wurde auf Sonntag den 06. Oktober 1945 um 9:00 Uhr angesetzt. Für 2 Jahre leitet Kamerad Hermann Deike die Geschicke der Wehr. Am 04. Oktober 1947 übernimmt Kamerad Heinrich Nötel für 3 Jahre das Amt des Ortsbrandmeisters. Viel ist über diese Jahre nicht zu berichten. Der Mangel an allem Lebensnotwendigem ist groß, auch die Feuerwehr muss improvisieren. Doch die Kameradschaft stimmt und jeder weiß, es kann nur aufwärts gehen. Und es geht aufwärts.

Mit der Gesundheit von Kamerad Nötel steht es nicht zum Besten. Er muss sein Amt zur Verfügung stellen. Am 24. März 1950 wird Kamerad Hans Goedecke neuer Gemeindebrandmeister. In seine Amtszeit fallen für die Feuerwehr eine ganze Reihe wichtiger Entscheidungen. Der bereits 1950 angeschafften Motorspritze folgte 1955 das neue Löschfahrzeug Opel Blitz. 


Damit konnte die Einsatzbereitschaft beträchtlich erhöht werden. Trotzdem kam es in den nachfolgenden Jahren zu einer Krise. Die Lücken die der Krieg hinterlassen hatte, ließen sich nicht ohne weiteres schließen. der 1955 gegründete Fußballverein SV Jeinsen zog die Interessen vieler Kameraden auf sich. Die Dienstbeteiligung wurde sehr vernachlässigt. Die Gemeinde Jeinsen wurde von höherer Stelle darauf hingewiesen, dass der Feuerschutz in Frage gestellt sei. Das Wort Pflichtfeuerwehr stand im Raum. Über 20 Kameraden traten neu in die Feuerwehr ein. Sie gewann damit ihre Einsatzbereitschaft zurück. Der Hinweis Pflichtfeuerwehr hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Die Krönung seiner Laufbahn erlebte Kamerad Hans Goedecke im Jahr 1962. Er wurde ernannt zum Unterkreisbrandmeister im damaligen Unterkreis Springe. Dies machte aber auch einen Wechsel an der Spitze der Wehr notwendig. 


Am 19.01.1963 wurde der Kamerad Willi Becker Nachfolger von Hans Goedecke. In seine Amtszeit die bis 1972 dauert, fallen zwei wichtige Entscheidungen die hier besonders hervorgehoben werden sollen. Kamerad Hans Goedecke hatte es bereits angeregt und unter seinem Nachfolger wurde es Wirklichkeit. Jeinsen gründet 1964 eine Jugendfeuerwehr.

Durch gute Führung und durch das Interesse der Jugendlichen für Technik, erfreute sich die Jugendfeuerwehr eines regen Zulaufes. Es werden Zeltlager, Fahrten, Filmabende und andere Veranstaltungen abgehalten. Es wird eine Jugendfeuerwehr Wettkampfgruppe aufgestellt, die bald von sich reden macht. Zahlreiche Pokale und Urkunden werden nach Jeinsen geholt. Das Vorbild dieser Wettkampfgruppe war zu jener Zeit eine sehr gute Herren - Wettkampfgruppe. Sie hatte sich nach Anfangsschwierigkeiten bald zu einer verschworenen Gemeinschaft entwickelt. Durch ständiges Üben wurde eine Schnelligkeit und Einsatzbereitschaft erreicht, die die Feuerwehr Jeinsen in weitem Umkreis bekannt werden ließ. Eine Reihe erster Plätze sowie viele gute Platzierungen bei Wettkämpfen in näherer und weiterer Umgebung ließ die Bevölkerung in Jeinsen aufhorchen. In Feuerwehrkreisen wurde der Name Jeinsen zu einem Begriff. Nachwuchsprobleme und zum Teil auch durch Streuung der Interessen brachten auch für diese Gruppe das Ende ihrer Tätigkeit. Sie hinterließ zwar einen gut gefüllten Pokalschrank, aber bis heute auch eine Lücke, die noch nicht geschlossen werden konnte. Ähnliche Erfolge sind von nachfolgenden Gruppen nicht annähernd erreicht worden. Die zweite Entscheidung betrifft den Neubau des Gerätehauses. Die Gemeinde hatte ihre Bedenken. Sie hatte sich erst kurz vorher beim Sportplatz - Neubau finanziell ziemlich anstrengen müssen. Und nun dies noch. Doch zur großen Überraschung und Erleichterung aller, wurde der gesamte Komplex in Eigenleistung erstellt. Nach unzähligen, unentgeltlichen geleisteten Arbeitsstunden aller Kameraden und vielen Schwierigkeiten, konnte am 03. Februar 1968 das neue Gerätehaus seiner Bestimmung übergeben werden. Ein schöner zweckmäßiger Bau war entstanden. Zwei Fahrzeugboxen, sowie ein großer Schulungs -, Versammlungs - und Aufenthaltsraum brachten uns das Ende der Raumnot.

In die Amtsperiode von Willi Becker fiel aber auch ein Ereignis, das aufregend genug war, um hier erwähnt zu werden. Der Scheunenbrand am Morgen des 17. September 1967 auf dem Weberschen Grundstück. Das Gebäude war wahrscheinlich durch einen Defekt in der Elektroinstallation in Brand geraten. Trotz schnellen Eingreifens der Feuerwehr konnte nicht verhindert werden, dass etliche Schweine und Kaninchen in den Flammen ums Leben kamen. Die Wehr musste sich darauf beschränken die Nachbargebäude zu schützen, was ihr auch gelang. Trotzdem wurde ein großer Teil des Quergebäudes mit vernichtet. Der Rest musste später abgerissen werden.   Aus gesundheitlichen Gründen musste Kamerad Willi Becker sein Amt abgeben. Kamerad Karl Bokelmann wurde neuer Gemeindebrandmeister. Der Wechsel an der Spitze verlief reibungslos. Schon lange Jahre vorher hat man gemeinsam gut zusammengearbeitet. Trotzdem gab es für den frisch gebackenen Gemeindebrandmeister genug Schwierigkeiten. Das Fahrzeug, zwar wenig gefahren, aber trotzdem hochbetagt, versagte immer häufiger seinen Dienst. Die Verhandlungen mit der Gemeinde Jeinsen über ein neues Fahrzeug endeten am 28. März 1974. Der neue Gesprächspartner hieß Stadtverwaltung Pattensen. Die Gebiets und Verwaltungsreform machten ein totales Umdenken erforderlich. Neue Gesichter tauchten auf, neue Gesichtspunkte wurden aufgestellt. Begriffe wie Schwerpunktfeuerwehr und Feuerwehrstützpunkt machten die Runde. Die damalige finanzielle Lage der Stadt tat ein übriges. Geredet wurde viel, aber es geschah so gut wie nichts. Inzwischen hatte das alte Fahrzeug - 21 Jahre alt - seinen Dienst eingestellt. Es dauerte 6 Wochen bis uns die Stadtfeuerwehr Pattensen eines ihrer Fahrzeuge zur Verfügung stellte. An diese Zeit wird sich mancher auch heute nur noch mit Schaudern zurückerinnern können. Die Querelen aufzuzeigen, die es noch gab bevor ein neues Fahrzeug bestellt wurde, würden den Rahmen dieser Seiten sprengen.

Doch allen Unkenrufen zum Trotz: am 15. März 1979 war es soweit. Das neue Löschfahrzeug  Magirus Deutz stand auf dem Hof. Ein unseren Bedürfnissen entsprechendes, modern und zweckmäßig ausgerüstetes Fahrzeug wurde im Beisein vieler Ehrengäste und der gesamten Jeinser Feuerwehr eingeweiht. Dadurch war in Jeinsen der Brandschutz wieder voll gewährleistet. Das Ersatzfahrzeug konnte an Pattensen zurückgegeben werden. Das die Einweihung des neuen Fahrzeuges mit einer Feier umrahmt wurde und das dabei leiblichen Genüsse nicht zu kurz kamen, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung, sollte aber trotzdem hier nicht fehlen. Denn wie bereits anfangs erwähnt und es auch bei unseren Gründern üblich war, wird auch heute noch ab und zu bei der freiwilligen Feuerwehr Jeinsen gefeiert. Anlässe bieten sich oft und das Zusammengehörigkeitsgefühl wird dadurch nur gestärkt. Das neue Fahrzeug hatte in der Silvesternacht 1980/81 seine erste große Herausforderung beim Scheunenbrand in Reden. Es folgten 1983 der Brand bei Blume im Huxole und der Dachstuhlbrand bei Ellenberg. 1986 tritt Ernst-Heinrich Kreimeyer die Nachfolge von Karl Bokelmann als Ortsbrandmeister an. In die Amtszeit fallen die Brände im Asylheim Jeinsen, eine  Anzahl von Verkehrsunfällen mit Todesopfern, die Modernisierung des Schulungsraumes und der Einbau einer Heizungsanlage im Feuerwehrgerätehaus 1987. Der Schwerpunkt der Einsätze begann sich auf die technische Hilfeleistung zu verlagern. Wieder ging es einmal um die Beschaffung von Fahrzeugen, in diesem Fall um die Anschaffung eines gebrauchten MTF, die eine längere Debatte mit der Stadtverwaltung auslöst,  aus der unser Ortsbrandmeister diesmal leider als Verlierer hervorgeht. 


1991 übernimmt Raimund Feist kommissarisch die Leitung der Jeinser Ortswehr und wird 1992 Ortsbrandmeister. Bis 2016 leitet er die Geschicke unserer Feuerwehr. In den Jahren seiner Amtszeit ist so einiges passiert. 1997 wird Jeinsen Bundesweit in den Nachrichten erwähnt. Sintflutartiger Regenschauer lässt den Bachlauf im Ortskern zu einem reißenden Strom anschwellen. Über 3 Tage hielt das Wasser die Feuerwehren der Stadt Pattensen in Atem. Das THW kam mit schwerem Gerät und das DRK versorgte die Einsatzkräfte. In diesen Tagen leisteten einige Kameraden, unter anderem der ehemalige Ortsbrandmeister Kreimeyer, übermenschliches und gingen an ihre Erschöpfungsgrenze. Die Wehr wird immer häufiger zu technischen Hilfeleistungen gerufen. Verkehrsunfälle Ölspuren, Umwelt-, Sturm- und Wasserschäden, Tierrettung und Türöffnungen erweitern das Aufgabengebiet der Jeinser Feuerwehr. Im Jahr 2002 nach 23 jähriger Dienstzeit stellt das LF 8 seinen Dienstbetrieb ein und wird gegen ein LF 8 nach TW Niedersachsen der Fa Magirus ersetzt. 2005 erhält die Wehr aus dem Fuhrpark der Stadt Pattensen ein gebrauchtes MTF, das in Eigenleistung zu einem gebrauchsfähigen Feuerwehrfahrzeug umgebaut wurde. 

2008 wurde die Jeinser Wehr zu ihrem größten Brandeinsatz gerufen. Die Lagerhalle der Calenberger Prozesstechnik im Nachbarort Schulenburg steht im Vollbrand. 2 Tage Dauerbelastung für Feuerwehrkameradinnen und Kameraden und eine Belastungsprobe für das technische Gerät wurden gemeistert. 2008 beginnen wir den Umbau des Sozialtraktes im oberen Teil des Gerätehauses, um es den Bedürfnissen für die weiblichen Mitgliedern anzupassen. Im Jahre 2009 treten 3 weitere Feuerwehrfrauen aus der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst über und unsere Frauenquote steigt auf 6 Kameradinnen. Im gleichen Jahr erhält Raimund Feist aus den Händen des Regionsbrandmeisters Bernd Keitel das Feuerwehrehrenkreuz in Silber.

2014 ein erneutes Großfeuer das “Kleine Restaurant” im Nachbarort Schulenburg steht im Vollbrand. Trotz Großaufgebot an Feuerwehren kann ein Totalverlust nicht verhindert werden. Fußballweltmeister, 80 Jahre Freiwillige Feuerwehr Jeinsen, 50 Jahre Jugendfeuerwehr und 10 Jahre Kinderfeuerwehr werden im Rahmen eines Scheunenfestes über 2 Tage gefeiert. 2016 endet eine Ära in Jeinsen. Ortsbrandmeister Raimund Feist tritt nach 24 jähriger Amtszeit nicht wieder zur Wahl an. Seine Nachfolge übernimmt Oliver Jänsch. Neuer Stellvertretender Ortsbrandmeister wird Nils Kreimeyer. Ernst Heinrich Kreimeyer erhält aus den Händen von Brandabschnittsbrandmeister Eric Pahlke die Feuerwehrehrenmedallie am Bande für besondere Verdienste in der Feuerwehr.

Das technische Gerät wird uns von der Stadt Pattensen zur Verfügung gestellt, jedoch nützt es nichts ohne die Kameradinnen und Kameraden, die unentgeltlich im Ernstfall Kopf und Kragen riskieren, um anderen zu helfen. Es ist sicher nicht zu vermessen, die Hausbesitzer, die noch nicht in der Freiwilligen Feuerwehr sind, aufzufordern, wenigstens als förderndes Mitglied die Kameradinnen und Kameraden zu unterstützen, die Ihnen in der Not zu Hilfe eilen. Die Feuerwehr hat längst ihren vielleicht militärisch wirkenden Drill vergangener Jahrzehnte verloren. Die Uniform wird im Einsatz getragen und dient zum Schutz der Kameradinnen und Kameraden, nicht wie irrtümlich angenommen, als Schmuckstück bei Feuerwehrfesten. Unsere größte Sorge bereitet uns der Nachwuchs. Bei Jugendlichen zwischen 10 und 16 Jahren lässt das Interesse leider merklich  nach, da sie heute genügend Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung finden. Es ist aber auch zukünftig von enormer Wichtigkeit, dass es Menschen gibt, die anderen in Notlagen zu Hilfe eilen. Die technischen Hilfsmittel mögen wohl damals ausgereicht haben, um im Ernstfall der Lage Herr zu werden. Das Problem lag darin, dass zu wenig Feuerwehrkameraden an der Spritze ausgebildet waren. Viele Leute kamen, um etwas zu sehen, aber nur wenige   fassten mit an. Dies müssen wohl damals die Gründe gewesen sein, warum sich freiwillige Bürger zusammengetan haben und die ersten freiwilligen Feuerwehren gründeten, denn es gibt heute schon Wehren, die längst ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert haben.

© Freiwillige Feuerwehr Jeinsen